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Wer sich zum ersten Mal einen Hund angeschaffen will, muss sich mit einer Reihe von Fragen auseinander setzen. Damit man nicht zu Problemen kommt, stelle und beantworte ich in diesem Kapitel diese Fragen. Hunde verlangen nach Autorität. Und meine Ratschläge machen die Hundehaltung leichter.

Wo kauft man einen Hund

Da bei den einzelnen Familienmitglieder meist recht unterschiedliche Meinungen über den Wunschhund bestehen, sollte die Anschaffung gemeinsam überlegt und durchdiskutiert werden. Auch beim Aussuchen selbst sollten beider Ehepartner und die größeren Kinder dabei sein. Das ist besonders wichtig bei einem erwachsenen Hund aus dem Tierheim, der sich oft spontan an die Person anschließt, die ihn aus dem Tierheim holt und dann die anderen Familienmitglieder nur schwer an sich heranlässt.

Hunde bekommt man:

Beim Züchter; Adressen erhält man über den Verband für das Deutsche Hundewesen; bei der Interessengemeinschaft Deutscher Hundehalter; für Österreich beim Österreichischen Kynologenverband; für die Schweiz bei der Schweizerischen Kynologuschen Gesselschaft.

Bei Amateurzüchtern und Hundehaltern, die erwünschten und unerwünschten Nachwuchs zu verkaufen haben. Sie inserieren meist unter der Rubrik "Tiermarkt" in der Tageszeitung.

In Zoofachhandlungen oder sie holen sich einen Hund

aus dem Tierheim.

Junger Hund oder erwachsener Hund?

Je jünger der Hund ist, den du kaufst, desto mehr wird es dein Hund, desto besser kannst du ihn formen. Jung, das heißt 10 bis 12 Wochen alt. Sehr wichtig ist, dass du den Hund selbst abholst (---> Die Erziehung des Welpen). Das mag umständlich sein, aber du profitierst ein ganzes Hundeleben lang davon. Jeder Versand, das Alleinsein in einem Transportbehälter, ist ein so einschneidendes Erlebnis für einen jungen Hund, dass man die Spätfolgen nicht vorhersagen kann.

Ein junger Hund erfordert das erste halbe Jahr viel Zeit und du kannst keinen Urlaub machen. Junge Hunde haben ähnliche Absprüche wie kleine Kinder: Sie wollen immer dabei sein; sie wollen wissen wo sie hingehören; sie wollen einen geregelten Tagesablauf. Sie wollen aber auch, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Und das musst du, denn je mehr du einem jungen Hund beibringen, um so leichter wirst du es die ganzen späteren Jahre haben. Nutze die Zeit, denn für einen Welpen ist ein Tag wie für den Menschen eine Woche oder ein ganzer Monat. Hunde leben schneller und erleben in kurzen Zeitabständen entsprechend mehr. Und sind nie mehr so lernbegierig wie in früher Jugend (---> Die Erziehung des Hundes zum Hausgenossen)

Ein erwachsener Hund scheint auf den ersten Blick problemloser zu sein.

  • Er ist bereits stubenrein
  • Er ist mehr oder weniger gut erzogen und er hat seine Flegeljahre hinter sich

So weit, so gut. Bedenke aber: Ein erwachsener Hund ist eine fertige Persönlichkeit mit allem charakterlichen Tugenden und Fehlern. Er muss lernen, dich, seine neuen Menschen zu verstehen und sich bei dir einzugewöhnen. Und du musst ihm dabei helfen. Das erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen, vor allem, wenn sein früherer Herr dir keine "Gebrauchsanweisung" geben kann. So empfehle ich erwachsene Hunde älteren Menschen, die bereits gewisse Erfahrung im Umgang mit Hunden haben.

Warum ein Hund vom Züchter?

Bei ihm kannst du dir gezielt den Hund aussuchen, den du haben willst. Du lernst die Hundemutter kennen und man zeigt di auch, wer der Vater ist. Du siehst die Umwelt, in der das junge Tier aufwächst und der Züchter kann dir eingehend die typischen Rassemerkmale und individuellen Eigenheiten deines Hundes beschreiben. So kannst du dir besser vorstellen, wie dein Hund im Aussehen und im Wesen wird. Du kannst mit dem Züchter besprechen, wie und ob der Hund entwurmt wird und welche Impfungen er bekommt (---> Gesundheitsvorsorge: Wurmkur und Impfungen). Er hilft dir, mit dem Hund richtig umzugehen und du kannst ihn auch später immer um Rat fragen. Wenn er ein guter Züchter ist und kein bloßer Hundeverkäufer, rät er sogar manchmal vom Kauf ab, wenn diese Rasse für dich zu problematisch ist.

Ein guter Züchter mit guten Hunden erkennst du bei einem Besuch sofort: Bei ihm leben die Hunde nicht nur im Zwinger, sie werden im Haus aufgezogen und haben deshalb den richtigen Kontakt zu den Menschen, der schon in den ersten Lebenswochen erfolgen muss. Vom Züchter bekommst du einen körperlich und seelisch gesunden Hund mit allen notwendigen Papieren. Dazu gehören: eine Ahnentafel mit dem Wurfdatum und dem bestätigten Eintrag in das Zuchtbuch der Rasse (---> Hundewissen von A bis Z, Z) und der Impfpass (Gesundheitsvorsorge: Wurmkur und Impfungen). Auch bei einem Amateuzüchter kannst du dich selbst davon überzeugen, aus welcher Umgebung und von welchen Eltern der Hund stammt. Es sei denn, du entscheidest dich für einen Mischling, aber dann kennst du zumindest die Mutter.

Per Versand kaufen?

Hunde, in einem Alter, in dem äußere Eindrücke ihr Wesen prägen und bestimmen, sind keine Versandartikel. Der Versandschock macht sie zu seelisch anfälligen Tieren und kann später zu Verhaltensstörungen (---> Verhaltensstörungen des Hundes) führen. Du entscheidest dich ja auch nicht blind für in Auto nach Katalog und deshalb schon gar nicht für einen Gefährten für die nächsten zehn Jahre deines Lebens. Beim Versandkauf besteht zwar die Verführung der sofortigen Verfügbarkeit- man bestellt und hat bald darauf den Hund der gewünschten Rasse-, während man beim Züchter auch schon einmal Monate warten muss. Trotzdem kann ich dich nur warnen: Versandhunde stammen fast immer aus Massenzuchten, in denen Hunde aus rein kommerziellen Gründen in Käfighaltung wie die Ferkel gezüchtet werden- und zwar von Geschäftemachern und nicht von einer Rasse verschriebenen Züchtern.

Typisch für den Hunde- Versandhandel ist, dass immer eine Reihe von Rassen, darunter die Moderassen wie Westies oder Yorkshire und beliebte Rassen wie Dackel oder Cocker angeboten werden. Die Hunde sind fast immer krank und seelisch labil und wenn sie überhaupt durchkommen, entsteht dir ein Vielfaches deines Anschaffungspreises an Tierarztkosten. Hilf mit, schon im eigenen Interesse, dass solchen Hundehändlern das Handwerk gelegt wird, indem du nicht bei ihnen kaufst.

Kann man im Tierhandel kaufen?

Ja, wenn du den Hund in einem seriösen Zoofachgeschäft oder in der Zoofachabteilung großer Kaufhäuser kaufst. Diese Jungtiere stammen überwiegend aus soliden Zuchten, sind ordnungsgemäß geimpft und haben die notwendigen Papiere, die ihre Herkunft garantieren.

Nein, wenn diese Vorraussetzungen nicht zutreffen, wenn die Welpen im Schaufenster ausgestellt sind. Händler, die Welpen dem Dauerstress eines Schaufensters aussetzen, verstehen nichts von Hunden und sollten nicht mit ihnen handeln. Kaufe Hunde auch nicht auf Märkten und bei Tierhändlern, die, getarnt mit einem Zwingernamen, oft mit Dutzenden von Rassen handeln.

Ein Hund aus dem Tierheim?

Dafür solltest du dich nur mit Vorbehalt entscheiden, denn hier spielt immer der Zufall mit. Du weißt nichts oder nur
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Hunden im Tierheim geht es nicht so gut, wie Hunde die bei uns leben

wenig über das Vorleben des Hundes (es sei denn, die Leute aus dem Tierheim können dir Auskunft geben), bei jungen Mischlingen weißt du nicht, wie sie sich auswachsen. Rechne also nicht mit einem wohlerzogenen, immer stubenreinen, problemlosen Hund. Am sichersten gehst du, wenn du dir einen jungen Rassehund aus dem Tierheim holst. Und doch bedeutet jeder Hund aus dem Tierheim ein gerettetes Hundeleben. Denn im Tierheim leben unerwünschte Hunde, die wegen Todesfall, Krankheit, Scheidung oder Umzug in eine Wohnung in der Hundehaltung verboten ist, hierher gebracht oder aus Überdruß ausgesetzt oder abgegeben wurde. Die ärmsten sind die älteren und alten Hunde, denn sie nimmt kaum jemand. Es können Problemhunde sein oder aber das große Glück für dich werden. Im übrigen bekommt nicht jeder einen Hund aus dem Tierheim: Das neue Zuhause wird sehr genau auf "Hundetauglichkeit" geprüft.
---> Hier gehts weiter mit: Fragen vor der Anschaffung Teil 2
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